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Schweizer Künstler dreht Filme auf der Leinwand
Übersetzter Text aus dem Magazin „Zona – A mindennapi Magazin", 07. Juni 2008, Author: F. Toth Benedek
Originaltext auf Ungarisch: http://zona.hu/article/703/a-svajci-festo-filmet-forgat-a-vasznon.html
Andreas Berde hebt Gegenstände, Details und Figuren hervor und schafft ein eigenes Kino
Heute stellen wir einen Schweizer Künstler vor. Andreas Berde sagt, er drehe einen inneren Film, wenn er malt. Betrachtet man seine Bilder, so bleibt darüber kein Zweifel, dass dies wirklich so ist, und wir finden es auch nicht schlimm, dass für diesen Film auch wir Betrachter gebraucht werden.
Durch ihre seltsamen Stimmungen und Geschichten bin ich in Budapest auf sehr kraftvolle Gemälden gestossen, an der „Madàch Strasse“, in der „Spiritusz Galerie“ - einer Tochtergalerie der Vàrfok Galerie. Die Arbeiten eines in Budapest geborenen, in Basel lebenden, dreiunddreissig jährigen jungen Mannes, von Andreas Berde hängen an der Wand. Die Bilder werden denen, die oft ins Kino gehen, oder sich noch an die Revolution des Technicolor erinnern, sofort bekannt vorkommen aber irgendwie auch wiederum nicht. Weil sie irgend eine filmische Stimmung besitzen aber doch keine Filme sind. Oder doch?
Als wären alle Bilder von Berde ein Filmbildschnitt und doch nicht... Als wäre das Gemälde selber der Film und doch nicht... Aber eines ist sicher: man muss die Bilder des Schweizer Künstlers Andreas Berde betrachten. Betrachten und sehen, wie einen Kinofilm.
Weil Andreas Berde einen Film dreht auf einer Leinwand. Es klingt komisch, obwohl sein Prinzip einfach ist. Er sammelt für seine Bilder aus Filmen die Bildelemente zusammen. Figuren, Hintergründe, Gegenstände, Bewegungen, Farben, Teile, Ausschnitte ordnet er ganz neu an, sodass diese Inhalte anschliessend eine andere, von ihrem Ursprung gar eine völlig sich entfremdete Bedeutung bekommen.
Nicht übertrieben wäre zu behaupten, Andreas Berde ist ein Film-Re-Regisseur. Seine aus den Teilen zusammengesetzte gemalte Filme sind eben doch statische Bilder, und nur in uns erwachen sie zum Leben. „Ich erschaffe einen inneren Film“ sagt Berde. „Der Betrachter denkt, dass ihm das Bild irgend woher bekannt vorkommt, er hat es bestimmt schon mal gesehen, aber er kann nicht sagen, in welchem Film. Und das ist eben der Punkt.“
Und tatsächlich dreht sich der innere Film, bewegen sich die Bilder. Die Stimmungen von sogar vier bis zehn Filmen berühren uns, und als wir schon denken, wir hätten die Teile filmisch geortet, zeigen sich neue Details auf der Leinwand, sodass die vorigen Bildelemente sich zerstreuen. Vor uns ist ein anderer Regisseur am Werk, mit einem anderen Werk mit anderen Stimmungen, und in demselben Moment merken wir, dass Berde uns, die Betrachter dazu auffordert, die Filme auseinanderzunehmen. Er breitet die Details bloss vor uns aus. Obwohl wir uns im Klaren sind, dass das Gemälde ein einziges Stück Bild ist, würden wir am liebsten dazwischen blättern, und auch steht uns der Sinn nicht fern, hinter das Bild zu schauen, ob der Regisseur uns irgend welche Instruktionen hinterlassen hat.
Was aber am charmantesten ist am Ganzen: Dieses Kino ist altes Kino. Denn obwohl die Bilder in der Gegenwart entstehen, zitieren sie in ihren Stimmungen und Inhalten die siebziger Jahre. Zu dieser Zeit bestimmten noch keine Trickmeister und Hochleistungen von Computern die Qualität des Gesehenen. Berde leugnet auch nicht, welchen Einfluss diese Welt auf ihn ausübt: „Damals hatten die Filme noch einen anderen Stil, und obwohl die Filmemacher sehr viele optische und technische Tricks gekannt haben, unterscheidet sich die Wirkung der von ihnen geschaffenen Illusionen in den einzelnen Szenen gänzlich von den heutigen. Auch der Begriff der Irrealität ist ein anderer, er ist viel verständlicher und menschlicher.“
Berde hält es für sehr wichtig, dass seine Bilder die nötige Wirkung für das Entstehen eines inneren Films erreichen. Wer die Bereitschaft mitbringt, die mehrheitlich unbestrittenen und von den Menschen selbst erstellten Regeln neu zu überdenken, kann die Erfahrung machen, dass die surreale Welt sogar sehr alltäglich ist. Sie ist mindestens so alltäglich wie die Welt, die sich der Mensch selber geschaffen hat. Berdes Gemälden stellen diese Welt dar.
Seltsam ist natürlich, dass Berdes Arbeiten Stummfilme sind: „Mich inspirieren die Dialoge und Texte in den Filmen sogar sehr, weil die dadurch geschaffenen Spannungen mir dabei helfen, die Szenen für meine Bilder auszuwählen. Wenn es sein muss, nehme ich auch nur die Figuren aus der Szene. Aber mich interessiert in dem Moment nicht mehr, ob sie Helden oder Opfer waren. Mich interessiert nur, dass sie vollkommene Teile des neugeschaffenen Ganzen sind.“
Damit das Spiel noch genüsslicher ist zwischen dem Maler und den Betrachtern seiner Bilder: Alle Titel seiner Arbeiten sind Zitate aus irgend welchen Filmen. Selbstverständlich könnten diese theoretisch die eigenen Gedankengänge und Fantasie hindern, welche Berde eben von uns erwartet. Aber praktisch sind sie bloss Anhaltspunkte: „Die Titel sind Möglichkeiten und keine Erklärungen. Sie bieten den Betrachtern Möglichkeiten, die Bilder weiterzudenken. Denn das, was sie sehen, ist nicht der Anfang des Films, auch nicht das Ende und nicht mal die Mitte davon. Der Betrachter soll selber erfahren, was er sieht. Ich tue nichts anderes, als ihn auf diesen Weg loszuschicken. Den Schlüssel, welche für die Lösung nötig ist, muss jeder selber finden.“
07. Juni 2008, Author: F. Toth Benedek |
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